// Die Kamelspinne //

Die Kamelspinne sieht gefährlich aus: mächtige scherenförmige Kieferklauen, haariger Körper und so groß wie ein Teller. Die zahlreichen Mythen über die Riesenspinne stimmen aber nicht.

Die Kamelspinne (Galeodes arabs) gehört zur Ordnung der Walzenspinnen (Solifugae, auch Solpugida) innerhalb der Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Sie werden auch als Wind- oder Sonnenskorpione bzw. als Sonnenspinnen bezeichnet.

Riesenspinnen

Monsterfans kennen Gerüchte über das Ungeheuer Riesenspinne seit dem Golfkrieg Anfang der neunziger Jahre. Berühmt machten es schließlich US-Soldaten nach dem Einmarsch in den Irak 2003.

Und so ist das Schreckgespenst Kamelspinne auferstanden. Immer wieder wird in Internetforen diskutiert, welche furchtbaren Eigenschaften die Tiere besitzen.

Dieses Foto aus dem Irak machte die Kamelspinne berühmt-berüchtigt:

Die Kamelspinne - Die Riesenspinne aus der Wüste

Die Kamelspinne: Kein Monster und keine echte Spinne. Aber riesig!


Das Foto vermittelt jedoch einen falschen Eindruck. Hier sind zwei Tiere untereinander zu sehen, die dicht vor die Kamera gehalten wurden (und dadurch wird die Größe perspektivisch verfälscht).


Körperbau

Im Unterschied zu dem dreigliedrigen Körper der Insekten ist der Körper der Spinnentiere grob in zwei Teile gegliedert. Markantestes Merkmal sind ihre vier Paar Laufbeine (also 8 Beine), was sie ebenfalls von den Insekten unterscheidet, die lediglich über drei Beinpaare verfügen.


Trotz der gebräuchlichen Namen sind sie weder echte Skorpione (Ordnung Scorpiones) noch echte Spinnen (Ordnung Araneae). Ähnlich wie eine Spinne hat der Körper einer Walzenspinnen zwei Tagmata: ein Opisthosoma (Hinterleib) hinter dem Prosom (also eine Kombination aus Kopf und Thorax).
Am vorderen Ende trägt das Prosoma zwei Kieferklauen, die bei den meisten Arten auffällig groß sind. Im Gegensatz zu Skorpionen haben Walzenspinnen kein drittes Tagma, das einen "Schwanz" bildet.

Als Sinnesorgane besitzen die Walzenspinnen ein Paar großer Einzelaugen direkt über den Kieferklauen (Cheliceren) und ein bis zwei Paar reduzierte Seitenaugen. Das erste Laufbeinpaar wird als Fühlerbein (mit Tastborsten und Haftorganen) genutzt, so dass die Walzenspinnen auf nur 6 Beinen laufen.

Größe & Geschwindigkeit

Die Körperlänge (ohne Beine) beträgt bis zu bis zu 7 cm. Bei den größeren Spezies erreichen die Beine eine Länge von bis zu 15 cm. In der Praxis unterscheiden sich die jeweiligen Längen der Beine verschiedener Arten drastisch, so dass die daraus resultierenden Größenangaben oft irreführend sind.

Sie kommen auf eine Geschwindigkeit von bis zu 15 km/h — was schnell ist für eine Spinne. Aber ein Mensch kann auch so schnell laufen.

Mythos Monster-Spinne

Eine Reihe von urbanen Legenden übertreiben die Größe und Geschwindigkeit der sogenannten Monsterspinne; ihr Gefahrenpotenzial für den Menschen ist aber vernachlässigbar. Aber die Mythen um die Monster-Spinne halten sich hartnäckig.

Gift, das sie ihren Opfern injizieren könnten, produzieren Walzenspinnen nicht. Es gibt lediglich eine Art in Indien, von der einige Forscher vermuten, dass sie Giftdrüsen besitzt.
Ein Biss mit ihren großen Kauwerkzeugen, ist recht schmerzhaft und führt zu relativ großen Wunden, die sich entzünden können.

Experten gehen davon aus, dass die Tiere zwar ein aggressives Verhalten an den Tag legen, und sich auch größeren Gegnern stellen. Allerdings greifen sie nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen bzw. in die Enge getrieben wurden.

Auch das häufig im Web zu lesende Gerücht, die Spinnen würden nachts in die Schlafsäcke kriechen, um die darin befindlichen Menschen anzugreifen, entspringt wohl eher den Alpträumen als der Realität.

Lebensweise

Verschiedene Arten der Walzenspinnen kommen in den meisten Wüsten der Erde vor; auch im Mittelmeerraum und in Nordamerika. Lediglich in Australien kennt man sie nicht.
Die meisten Arten sind nacht- oder dämmerungsaktiv und verbringen den Großteil des Tages in selbstgegrabenen Wohnröhren unter Steinen.
Sie ernähren sich opportunistisch von bodenbewohnenden Arthropoden (Webspinnen, Skorpionen, etc.) und anderen Kleintieren (z.B. kleinen Reptilien (Eidechsen) oder Vögeln).
Ihre Beute zerbeißen sie mit ihren kräftigen Kiefern. Sie springen sie allerdings nicht auf eine größere Distanz an, sondern packen sie, wenn sie in Reichweite ihrer vorderen Extremitäten kommen.
Die Cheliceren zählen, in Relation zur Körpergröße, zu den stärksten Beißwerkzeugen im Tierreich. Sie können Gestein bearbeiten und an Kadavern tiefe Fleischwunden reißen.

Bei Gefahr drohen die Walzenspinnen dem potentiellen Angreifer mit den Cheliceren, wobei einige Arten auch stridulieren (Lauterzeugung durch Reiben der Kiefer-Zangen aneinander) können. Diese Geräusche, die weitestgehend der Kommunikation dienen, sind möglicherweise der Grund für die Behauptung, Walzenspinnen würden „schreien“.

Monsterspinne im Irak

Sämtliche Namen der Kamelspinne beziehen sich vermutlich auf ihren Lebensraum, die Wüste, nicht darauf, dass sie Kamele angreifen. Das tun sie nicht.

Die Tiere sind nachtaktiv und versuchen tagsüber, sich im Schatten aufzuhalten. Die Zelte und Baracken der Soldaten im Irak und in Afghanistan sind für sie deshalb attraktiv. Auch versuchen sie angeblich sogar, im Schatten von Menschen zu bleiben, denen sie begegnen. Geht die Person weiter, folgt die Spinne. Das kann natürlich wie eine Verfolgung aussehen.


Die europäischen und amerikanischen Soldaten machen sich offenbar recht häufig einen Spaß daraus, Kamelspinnen zu fangen und zu filmen, wie man zum Beispiel bei YouTube sehen kann (Anmerkung: Handverlesene Auswahl von erstklassigen Natur Dokus zum Streamen). Kein Wunder, dass es immer wieder zu Bisswunden kommt.

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