mittelalter — Fakten
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Für Männer lag im Jahr 1900 die durchschnittliche Lebenserwartung bei 46 und für Frauen bei 52 Jahren.
Heute liegt das durchschnittlich erreichte Lebensalter bei 82 Jahren für Männer und bei 88 Jahren für Frauen.
Um die Jahrhundertwende erlebten nur etwa 5% der Menschen der deutschen Bevölkerung das Rentenalter, das die 1889 in Kraft getretene Invaliditäts- und Altersversicherung auf 70 Jahre festlegte.
Siehe auch:
mittelalter" href="/431/Lebenserwartung-im-mittelalter.html">Lebenserwartung im mittelalter
Im mittelalter dachte man, dass Gewitter das Werk von Dämonen sei. Wenn es also stürmte gingen die Glockenschläger hoch in den Glockenturm und schlugen die gesegneten Glocken, um den Sturm aufzuhalten und die Dämonen zu vertreiben.
Hawaii ist der einzige Staat in den USA, wo die männliche Lebenserwartung 70 Jahre übersteigt. Hawaii ist generell der Staat mit der höchsten Lebenserwartung, mit im Durchschnitt 73,6 Jahren für Männer und Frauen.
Siehe auch:
Lebenserwartung 1900
mittelalter" href="/431/Lebenserwartung-im-mittelalter.html">Lebenserwartung im mittelalter
Die durchschnittliche Lebenserwartung ab Geburt lag im mittelalter bei Frauen zwischen 24 bis 25 Jahren, die der Männer bei 28 bis 32 Jahren.
Die Kindersterblichkeit war sehr hoch und ist in obigen Zahlen enthalten. Wenn die Kindheit überlebt wurde, konnte man durchschnittlich über 40 Jahre alt werden; und wer das 21igte Lebensjahr erreichte, wurde im Durchschnitt 64 Jahre alt.
Es gibt keine verlässlichen Statistiken zur Sterblichkeit und Lebenserwartung im mittelalter. Alle Zahlen beruhen auf Schätzungen von Experten. Zu beachten ist auch, dass die Lebenserwartung aufgrund von Seuchen, Kriegen und Katastrophen keineswegs stark schwankte.
Da die Mechanismen von Infektionskrankheiten (z.B. Pest, Cholera, etc.) noch nicht verstanden waren, und es auch kaum spezifische Medikamente gab, starben viele Menschen an Krankheiten.
Siehe auch:
Lebenserwartung 1900
Das militärische Salutieren kommt noch aus dem mittelalter als Ritter ihre Visiere öffnen mussten, um ihre Identität preis zu geben.
Im mittelalter hatte der höchste Gerichtshof in Frankreich eine Kuh zum Tode verurteilt, weil ein Mensch ihretwegen krank wurde.
Im mittelalter glaubten die Leute daran, dass Männer eine Rippe weniger haben als Frauen. Der Grund dafür ist die Bibel: Eva aus einer Rippe von Adam gemacht wurde.
Im mittelalter in Europa tranken die Menschen Goldpulver gemischt mit Wasser, um Gliederschmerzen zu reduzieren.
Die vier Farben eines Kartenspiel repräsentierten im mittelalter folgendes: Herz steht für die Kirche, Pik für Militär, Kreuz für die Landwirtschaft und Karo für Kaufmänner.
Im mittelalter in England wurde Bier oft schon zum Frühstück serviert.
Im mittelalter gaben die Menschen Karottensaft in Butter, damit Butter eine attraktivere Farbe hatte.
Wenn man im mittelalter zu einem Essen eingeladen wurde, musste man seine eigenen Messer mitbringen.
Spindeltreppen im mittelalter verlaufen immer im Uhrzeigersinn. Das liegt daran, dass alle Ritter Rechtshänder waren. Da mussten sie also ihr Schwert halten und mit der anderen Hand konnten sie sich festhalten, weil die Treppen damals nicht so gut ausgebaut waren.
Wann die ersten Schnürsenkel aufkamen, ist nicht genau bekannt. Die in den Alpen gefundene Eismumie „Ötzi“ trug bereits Schuhe, die mit einer Art Schnürsenkel (Lederband) verschlossen waren.
Mit Bändern verschlossene Schuhe waren bereits im mittelalter gängig. Das Nestelband, das man schon damals auch Senkel nannte, wurde auch als Verzierung oder zum Verschließen der Kleidung benutzt.
In der Mythologie bezeichnet der Begriff Lykanthropie (griechisch: lýkos = „Wolf“ + ánthrōpos = „Mensch“) einen Menschen mit der Fähigkeit, sich in einen Wolf zu verwandeln, entweder absichtlich oder nachdem er unter einen Fluch gestellt wurde.
Der Werwolf ist ein weit verbreitetes Konzept in der europäischen Folklore, das in vielen Varianten (u.a. auch Vampirismus) existiert, die im mittelalter entstanden sind. Von der frühen Neuzeit an verbreitete sich der Werwolf-Glaube mit dem Kolonialismus in die Neue Welt. Die Vorstellung von Werwölfen entwickelte sich parallel zum Hexen-Glauben im Laufe des Spätmittelalters.
Die Verfolgung von Werwölfen war ein integraler Bestandteil des Phänomens "Hexenjagd", wenn auch in geringem Umfang.
Langbogen hatten im mittelalter bei Streitigkeiten einen durchschlagenden Erfolg. Alles über die Herstellung, Stärke, Einsatz im Kampf, etc. der nicht nur in England beliebten Waffe.
Herstellung
Im mittelalter wurden Langbogen zumeist aus Eibenholz hergestellt. In Längsrichtung gespaltene Stämme (seltener Äste) bilden das Rohmaterial. Die Rohlinge stammten in erster Linie aus Süddeutschland und Norditalien und es entwickelte sich ein sehr lebhafter Handel.Der Baum wurde rücksichtslos abgeholzt; heute steht sie unter Naturschutz und ist fast ausschließlich noch in Parks und auf Friedhöfen anzutreffen.
Weitere hervorragende Bogenhölzer zum Langbogenbau – die vor allem heute verwendet werden – sind „Osage Orange“ (Maclura) und Robinie.
Die Bogensehne überträgt die Energie des Bogenstabs auf den Pfeil. Bei mittelalterlichen Langbogen bestand sie aus Lein oder Fasern der Brennnessel.
Stärke
Ziel war die möglichst hohe Durchschlagskraft schwerer Pfeile. Kettenrüstungen, Plattenrüstungen oder Eichenplatten von etwa 2,5 cm Dicke können Berichten zufolge von Langbogenpfeilen durchschlagen werden.Ein Indiz für Zuggewichte zwischen 100 – 130 Pfund ist der Bericht von Gerald de Barri über die Schlacht um das Abergavenny Castle 1182. Die walisischen Bogenschützen beschossen das Schloss, und ihre Pfeile durchdrangen das 10 cm dicke Schlosstor aus massiver Eiche soweit, dass die Pfeilspitzen auf der anderen Seite herausragten.
Wie schnell die damaligen Pfeile waren, lässt sich heute nur aufgrund ungenauer Reproduktionen von Funden erahnen, doch ergaben diese eine Geschwindigkeit von 150 bis 165 km/h. Dieser Wert erscheint nicht zuletzt aufgrund der gemessenen Pfeilgeschwindigkeiten heutiger Vollholzbogen plausibel.
Einsatz im Krieg
Ausgebildete Langbogenschützen konnten bis zu zehn Pfeile pro Minute über Reichweiten von bis zu 200 m abschießen.Dabei wurde vermutlich mehr Wert auf die Menge als auf die Genauigkeit gelegt, da in einer Schlacht wohl eher Gebiete beschossen wurden als Einzelziele. 1.000 Schützen konnten so in der Minute 500 kg Pfeile verschießen.
Dieser immense Verbrauch hielt einen ganzen „Industriezweig“ am Leben, von dem viele Berufsstände existierten. Nicht nur die Bogenbauer (bowyer) und Pfeilmacher (arrowsmith, fletcher), sondern auch Schmiede, Seilereien (stringer, stringfellow), Holzhändler, Fuhrbetriebe etc. Einige dieser Berufsbezeichnungen leben noch heute als englische Familiennamen weiter.
Der Einsatz englischer und walisischer Langbogenschützen im Verbund mit abgesessenen Rittern oder die Nutzung von Pfählen als Deckung, hat zahlreiche Schlachten (siehe die Schlachten von Crécy 1346 und Azincourt 1415) entschieden. In nahezu allen wichtigen Schlachten des Hundertjährigen Krieges (1337 bis 1453) unterlag das französische Heer, da dieses auf eine veraltete Taktik (mit dem Schwergewicht auf die Ritter) setzte.
Auch die Schlacht von Aljubarrota am 14. August 1385, als nach Unabhängigkeit strebende portugiesische Truppen, verstärkt durch einige englische Langbogenschützen, das zahlenmäßig deutlich überlegene kastilische Invasionsheer unter Johann I. vernichtend schlugen und so die Unabhängigkeit Portugals herbeiführten, ist ein gutes Beispiel.
Die Kulturpflanze Knoblauch (aus der Gattung Lauch) gelangte aus den Steppengebieten Zentral- und Südasiens über das Mittelmeer nach Europa.
Er war schon im Altertum als Heilmittel bekannt. Die Ägypter nutzen ihn als Stärkungsmittel und um Läuse und Darmparasiten zu vertreiben. Die Arbeiter, die die Pyramiden erbauten, erhielten eine tägliche Ration, und traten bei einer Kürzung derselben in den Streik.
Im jüdischen Talmud wird sein stetiger Genuss empfohlen, denn der Knoblauch sättige den Körper, gebe dem Geist Klarheit, stärke die Manneskraft und vertreibe Parasiten.
Auch die Griechen und Römer wussten um die Heilkräfte der Pflanze. Der römische Arzt Pedanios Dioskurides (1. Jahrhundert, Zeitgenosse des Kaisers Nero) empfahl Knoblauch für vielfältige Anwendungen in der Medikation. Diese blieben für das gesamte mittelalter maßgeblich, wo etwa Bisswunden (wie von Hunden oder Schlangen), Haarausfall, Zahnschmerzen, Hautausschläge, Lungenleiden oder Menstruationsstörungen damit behandelt wurden.
Zudem wird Knoblauch in vielen Ländern (beispielsweise in Asien) eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt.
Der Stein der Weisen ist eine legendäre alchemistische Substanz, die in der Lage sein sollte, unedle Metalle wie z.B. Quecksilber in Gold oder Silber zu verwandeln.
Alchemie war seit der Zeit der alten Griechen die frühe Form der Chemie, aber noch von magischen Vorstellungen geprägt. Auch wenn sie einige wissenschaftliche Erkenntnisse hervorbrachte, basierte sie auf der Vier-Elementen-Lehre (Feuer, Wasser, Erde und Luft).
Die Bemühungen, den Stein der Weisen zu entdecken, wurden spätesten seit dem mittelalter als Magnum Opus ("Großes Werk") bezeichnet.
Die Vorstellung, dass es einen Stoff gäbe, mit dem man billige Metalle in Silber oder Gold verwandeln kann, begeisterte Kaiser und Könige, Fürsten und Prälaten. Deren Motive waren aber erst recht nicht wissenschaftlicher Natur, sondern fast immer ein mutmaßlicher Ausweg, um die maroden Staatsfinanzen zu sanieren. Um „Forschungsgelder“ zu erhalten förderte die Gilde der Alchimisten, den „Glauben“ an die Möglichkeit den Stein der Weisen (lateinisch: Lapis philosophorum; Lapsi = Stein + philosophorum = Philosophie; daher auch im Englischen „Philosopher's stone“) zu erschaffen.
Es wird auch als Lebenselixier bezeichnet, nützlich zur Verjüngung und zur Erreichung der Unsterblichkeit; viele Jahrhunderte lang war es das begehrteste Ziel der Alchemie. Der Stein der Weisen war das zentrale Symbol der mystischen Terminologie der Alchemie, das Perfektion vom Feinsten, Erleuchtung und himmlische Glückseligkeit symbolisierte.
Wir haben hier einige der bemerkenswertesten Fehler aus dem Monumental-Film „Ben Hur“ (1959) zusammengestellt. Während einige dieser Ausrutscher subtil sind, sind andere grell und ungeheuerlich.
Anachronismen
Scheich Ilderim steckt vor dem Rennen einen Davidstern an Ben Hur's Gürtel, offensichtlich um die Römer zu reizen. Erst im mittelalter wurde der Davidstern in Osteuropa zu einem Symbol des Judentums. Die erste Erwähnung erfolgt im 12. Jahrhundert.Wenn Juda und Messala im Innenhof von Judas Haus streiten, sind im Hintergrund Straßenlärm und hupende Hörner von Autos zu hören. Aus irgendeinem Grund wurde es in der Postproduktion nicht aus dem Soundtrack entfernt.
Moderne Bücher mit Umschlägen sind zu sehen, zu einer Zeit, als nur Schriftrollen und Ordner mit Einzelseiten verwendet wurden.
Die am Eingang zu Ben-Hurs Haus gezeigte Mesusa ist schräg montiert. Diese Praxis wurde erst im mittelalter von den aschkenasischen Juden als Kompromiss zwischen den Regeln von zwei mittelalterlichen Rabbinern übernommen.
Während des Wagenrennens ist im Hintergrund ein Volkswagen Käfer zu sehen.
Während der Vorbereitung auf das Wagenrennen wird eine erhöhte Plattform aus verzinktem Stahl gezeigt.
Eine Nahaufnahme der Sägezahnradnaben, kurz vor dem Rennen, zeigt die moderne Schweißtechnik.
Während der Triumphwagen-Szene in “Ben Hur” kann man im Hintergrund ein kleines rotes Auto sehen.
Das Kalb im Stall ist ein Holstein, eine damals noch nicht existierende Rasse, die in der Gegend bis 1922 unbekannt war.
Reifenspuren vom Kamerawagen aus sind während des Wagenrennens im Sand des Zirkus sichtbar.
Kontinuität
Während des Wagenrennens, als wir den dritten Delfin sehen, der die Runden markiert, zeigt der folgende Schuss kurz die Delfine mit dem dritten noch oben.Wenn die Wagen von Ben-Hur und Messala die Räder blockieren, zerbricht das Rad von Messala. Beim Schuss auf den umstürzenden Wagen ist das Rad intakt.
In der Oase des Scheichs Ilderim ändert Ben-Hur's Gesichtsbehaarung die Länge zwischen den Schüssen.
Im Wagenrennen stehen Ben Hur und Messala mehrere Runden lang Seite an Seite. Wenn sie Kurven drehen, bleiben sie Seite an Seite.
Im Prolog des Films beginnt Balthasar, der Erzähler, der die Geschichte von Jesu Geburt erzählt, die Geschichte mit der römischen Volkszählung "im siebten Jahr der Herrschaft von Augustus Cäsar". Tatsächlich war Augustus zu dieser Zeit mindestens 20 Jahre lang Kaiser von Rom gewesen.
Der Schatten der Kamera ist auf dem Rücken Christi zu sehen, als Ben Hur Nazareth verlässt, um auf die Galeeren zu gehen (Breitbildversion).
Sachliche Fehler
Römische Kriegsschiff-Ruderer waren keine Sklaven, sondern ein bezahlter Teil der Schiffsbesatzung.Das letzte Wagenrennen sollte in Jerusalem stattfinden, aber es gab keine solche Struktur in dieser Stadt. Die einzigen beiden Wagenrennstrecken ("Circus") in Israel (Judäa) befanden sich beide in der Küstenstadt Caesaria nahe dem heutigen Tel-Aviv.
Drei Jahre nachdem Juda als Galeerensklave dient, geht er mit Quintus Arrius vermutlich im Jahr 29 n. Chr. nach Rom. Arrius erhält von Kaiser Tiberius nach dessen Sieg gegen die mazedonischen Piraten einen Siegesstab. In Wirklichkeit war Tiberius nach dem Tod seines Sohnes Drusus enttäuscht vom Auftraggeber und verließ Rom für seine Villa auf der Insel Capri, die sich 26 n. Chr. vor der Bucht von Neapel befand. Er kehrte nie nach Rom zurück. Tiberius überließ die tägliche Verwaltung der Stadt dem Prätorianerpräfekten Sejanus. Deshalb wären Quintus Arrius und Juda Ben-Hur von Tiberius auf Capri und nicht in Rom empfangen worden.
Ben-Hur - Film
Ben-Hur ist ein amerikanischer epischer religiöser Drama-Film von 1959 unter der Regie von William Wyler, produziert von Sam Zimbalist für Metro-Goldwyn-Mayer und mit Charlton Heston als Titelheld. Ben-Hur, eine Neuauflage des gleichnamigen Stummfilms von 1925, wurde aus Lew Wallaces Roman Ben-Hur: A Tale of the Christ von 1880 übernommen.Holunder (Sambucus nigra), Strauch oder Baum mit graubrauner, in Längsrichtung rissiger Rinde, der sich von Mai bis Juli mit weißen Blüten schmückt und im August tiefschwarze Früchte trägt.
Der schwarze Holunder ist nahezu in ganz Europa und in einigen Gebieten Vorderasiens zu finden. Er gedeiht besonders prächtig auf stickstoffreichen Böden. Häufig sieht man die Pflanze in Laub- und Nadelwäldern, Ufergebüschen und Schutthalden.
Diese Beschreibung, so oder ähnlich in jedem Pflanzenführer zu lesen, läßt jedoch nicht erahnen, welche mystische Bedeutung die Pflanze für unsere Vorfahren hatte.
Mythologie
Der Hollerbusch (Holunderbaum) wurde von den Skandinaviern als Verkörperung der Göttin Hel angesehen. Selbst bis ins späte mittelalter bezeichnete man den heiligen Baum noch als Hel- oder Elfenbaum. In Dänemark wurden vor allem die älteren Bäume als „Hyldemoer“, was soviel wie Hel-Mutter oder Holunder-Mutter bedeutet, verehrt und angebetet. Da Hel auch als Totengöttin galt, spielte der ihr geweihte Baum im heidnischen Totenkult eine zentrale Rolle. Lange Zeit wurden die Grabkreuze aus dem Holz des Holunderbaumes, der auf dem Grundstück des Verstorbenen wuchs, gezimmert. Es soll vorgekommen sein, daß ein solches Kreuz wieder ausgetrieben hat. Noch heute steckt man in Tirol Holunderzweige in die Gräber, verbunden mit der Hoffnung, daß sich frische Triebe zeigen. Das gilt als Zeichen dafür, daß der Verstorbene gnädig aufgenommen wurde. Tote wurden vielerorts auf Holunderreisig gebettet und bei der Totenwache wurde Holundertee getrunken. Der Teebrauch ist gelegentlich heute noch zu finden.
Frau Holle (Hollerbusch), ein anderer Name der Göttin Hel, wurde ursprünglich als milde und freundliche Göttin gepriesen und nach Einführung des Christentums zum Spukgeist degradiert. Dieses Image hat sich jedoch glücklicherweise wieder ins Gegenteil verkehrt, so daß sie heute in den Köpfen der Kinder weiterlebt. Wenn „Frau Holle“ ihre Betten macht und die Kissen kräftig schüttelt, dann schneit es auf Erden. Der Schnee ist mit den duftig weißen Holunderblüten gleichzusetzen.
Der Holunderbaum wurde auch immer als Tor zur Unterwelt gesehen. Wer unter diesem Baum einschläft, wird bald Zwerge, Gnome und Kobolde spüren. In Schweden sag(e)t man, daß man am Mittsommerabend unter blühendem Holunder den Elfenkönig mitsamt Hofstaat erspähen könnte.
Weitverbreitet war früher der Glaube, daß der in Hausnähe gewachsene Holunderbusch, die „Hof- und Hausgötter“ beherbergt. Die Schweden verwöhnten dort ihre Hausgeister mit Milchopfer, bei den Germanen gab es Bier und Brot für die Erdgeister.
Wirkung
Die Pflanze wurde auch als „Apotheke der Bauern“ bezeichnet. Für alle Wehwehchen mußte sie herhalten. Man vergrub Zähne, Haare und Nägel in ihrem Schatten, um so magischem Mißbrauch vorzubeugen. Band man einen eitrigen Lappen in die Zweige, konnte der gepeinigte Kranke genesen. Denn durch dieses Ritual wurde dem Baum die Krankheit „angehängt“. Es zeugen unzählige regional unterschiedliche Zaubersprüche davon, daß dem Hollebaum heilende Zauberkräfte nachgesagt wurden. Aus Kindertagen und Erzählungen meiner Großmutter erinnere ich mich noch an folgende Sprüche: „Weil ich es nimmer mag, hast du’s jetzt Jahr und Tag“. „Zweig, ich bieg´ dich nieder; Fieber bist mir zuwider; Holunderast, ich heb´ dich auf; Kopfweh setz´ dich hurtig drauf.“ Damit sollte erreicht werden, daß der Holunder die Zipperlein aufnimmt. Es galt als gesichert, daß ein Mensch vom Rheumatismus befreit würde, wenn er ein Stückchen Holunder auf der Haut trug.
Man hoffte, Kuh und Kalb vorm „verhexen“ zu bewahren, wenn man die Nachgeburt unterm Holunder begrub. Glaubte man ein Kind sei „verschrieen“, also verhext, konnte es durch das Vergraben seines Hemdchens vom Zauberbann erlöst werden. Und um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, schüttete man ebenfalls das Badewasser kleiner Kinder dort aus. Eine Wiege mit Holunder zu schmücken galt als besonders gefährlich. In diesem Fall würden die Feen das darin liegende Baby mitnehmen. Als Beweis dafür, daß der hauseigene Holunderbusch „seine“ Menschen liebt, galt das Gerücht, daß der Strauch eingehen würde, sobald Haus und Hof (z.B. durch Auszug der Bewohner) verlassen wären.
Es galt als grobes Vergehen, wenn nicht gar als Sünde, den Holunderbaum achtlos zu stutzen oder sein Holz zu verbrennen. Als Strafe, so nahm man an, würden die dort gebundenen bösen Zauber auf den Frevler übergehen. Unglück, vermutlich sogar der Tod, würden sein gerechter Lohn sein. Es war außerdem zu befürchten, daß der Teufel durch den Schornstein gefahren käme, wenn man das Holz im heimischen Herd verbrannte.
Wer allerdings schon mit Gevatter Tod in Berührung gekommen war, wie etwa Witwen und Waisen, der konnte ungestraft das Holz des Holunders sammeln und verfeuern. War es für den Normalsterblichen jedoch unumgänglich, Hand an den geheiligten Baum zu legen, so mußte entsprechend Vorsorge getroffen werden. Mit Bittsprüchen und kleinen Opfergaben versuchte man, die Pflanze gnädig zu stimmen.
Wegen dieser unzähligen Assoziationen bevorzugten die Hexen für ihre Zauberstäbe Holunderholz. Es gab jedoch auch die Vorstellung, daß der starke Eigengeruch des Holzes Hexen abschrecken würde. Daher rühren etliche Überlieferungen, daß man sich mit einem Holunderbüschel, am letzten Apriltag geschnitten und über die Eingangstür gehängt, vor Hexen und bösen Geistern schützen kann. Das gleiche gilt für Amulette, die aus Holunderholz gefertigt sind.
Holunder galt auch als bevorzugte Zutat, die die Hexen für ihre unheilvollen Rezepturen verwendeten. Das rötliche Holz des Zwergholunders ließ die Vermutung zu, daß unter seiner Rind Bluß fließt. Auch sollte die Pflanze nur dort gedeihen, wo reichlich Menschenblut vergossen wurde.
Zum Aussehen des Baumes, der einst der Großen Göttin heilig war, gibt es viele Sagen und Geschichten. Die weißen Blüten und die schwarzen Beeren, also der Gegensatz par excellence, verkörpern das Leben und den Tod. Auch in die christliche Mythologie hat der Baum Zugang gefunden. Die Schrunden auf den Holunderzweigen sollen daher rühren, daß Jesus von seinen Folterknechten mit Holunderruten gepeinigt wurde. Diese Überlieferung erklärt den schlechten Ruf des Baumes. Im Widerspruch dazu heißt es aber auch, daß Maria die Windeln des Christkindes auf seinen Zweigen getrocknet habe. Und weiter wird berichtet, daß sich der Verräter Judas am Holunderbaum erhängt habe. Also ist auch hier die zweifache Bedeutung zu finden.
In vergangenen Tagen waren die Gaben des Holunderbaumes nicht aus der Hausapotheke wegzudenken. Holunderblütentee ist schweiß- und harntreibend und wurde als „blutreinigend“ bei den verschiedensten Krankheiten verabreicht. Das Sirup der schwarzen Beeren – am wirkungsvollsten im Zeichen des Löwen geerntet – galt als hautklärend, darmreinigend und -anregend. Die lange Winterzeit versüßte man sich mit heißen und schmackhaften Holunderbeersuppen, die gleichzeitig wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehaltes geschätzt wurden. Neueste Forschungen bestätigen die Heilwirkung der Beeren und belegen eine immun- und nervenstärkende Wirkung. Der blaue Farbstoff wirkt sich günstig auf die Zellatmung aus und kommt deshalb heute sogar in der Krebsbehandlung zum Einsatz.
Auch die Blätter konnten zu verschiedensten Heilmitteln verarbeitet werden. Sie wurden im Sommer gesammelt und mit Schweinefett zu Salben für Prellungen, Geschwülste und Frostbeulen verkocht. Die im Herbst „geerntete“ Rinde war als Mittel gegen Verstopfung geschätzt. Ein weitverbreiteter Aberglaube sagte, daß die nach unten geschabte Rinde als Abführmittel wirkt, nach oben geschabt jedoch zum Erbrechen reizt. Aus heutiger Sicht schreibt man diese unterschiedlichen Wirkungen dem „Placebo-Effekt“ zu.
In der Naturkosmetik gilt ein Blütenaufguß (3 – 5 Blütendolden mit 1 l kochendem Wasser übergießen und bis zum Erkalten auslaugen lassen) als hervorragendes Mittel bei unreiner Haut. Täglich angewendet, soll ein Erfolg rasch sichtbar sein.
Der einst so heilige Baum hat schon lange seinen Nimbus verloren. Doch noch in unseren Tagen kann man gelegentlich Menschen beobachten, die sich ihm ehrfürchtig nähern, und sei es auch nur um seine Blüten oder Früchte zu ernten. Denn die nachfolgenden schmackhaften Rezepte aus Großmutters Kochbuch sind auch bei den Enkeln beliebt.
Rezepte
Fritierte Holunderblüten
Gewaschene und gut abgetrocknete Blütendolden in Pfannkuchenteig – 125 g Mehl, eine Prise Salz, ein Ei und 1/4 Liter Wasser oder Milch – eintauchen und anschließend in heißem Fett knusprig ausbacken.
Holunder-Elixier
Fünf bis zehn getrocknete Holunderblüten-Dolden mit ca. 400 g frischen Holunderbeeren in eine Flasche geben und mit einem Liter Ansatzschnaps aufgießen. Als Gewürze werden noch eine Zimtstange, fünf Sternanis und fünf Kardamomkapseln hinzugegeben. Wer es lieber süß mag, darf den weißen Kandiszucker (Menge nach Belieben) nicht vergessen. Nach einer „Reifezeit“ von ca. vier Wochen ist der Zaubertrank fertig.
Holunderblütensekt
10 l Wasser mit einem kg Einmachzucker aufkochen und den Saft von zwei Zitronen hinzufügen. 15 bis 20 Holunderblüten-Dolden zusammengebunden in die noch heiße Zuckerlösung hängen. Zwei weitere Zitronen in Scheiben geschnitten dazugeben. Nach 12 Stunden kann die durchgesiebte Lösung in stabile (wichtig!) Flaschen umfüllt werden. Besonders gut geeignet sind Sektflaschen, weil bei der Gärung großer Druck entsteht. Nach ca. drei Wochen ist der Holunderblütensekt fertig.
Quellen und Bücher zum Weiterlesen
- Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch, Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin
- Barbara Walker – Das geheime Wissen der Frauen
- Hermann Frischbier – Hexenspruch und Zauberbann
- Vollmer – Wörterbuch der Mythologie
- David Pickering – Lexikon der Magie und Hexerei
- Belledame – Die persönliche Magie der Pflanzen – Edition Tramontane
Seiten: 1
